Unsere Hormone im Zusammenspiel

Hormone sind keine Raketenwissenschaft, aber etwas kompliziert

Viele denken dabei sofort an Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten. Manche empfinden sie sogar als etwas, das man besser nicht anrührt, weil es tief in die Körperprozesse eingreift. Genau diese Mischung aus Vorurteilen, Unsicherheit und Halbwissen macht das Thema so verwirrend.

In Wirklichkeit sind Hormone jedoch weder bedrohlich noch exotisch. Sie gehören zu unserem Körper wie Atem und Herzschlag. Es sind winzige chemische Botenstoffe – die Postboten unseres Organismus. Sie tragen Nachrichten von einem Organ zum anderen und sorgen dafür, dass unzählige Abläufe reibungslos funktionieren: Schlaf, Verdauung, Energielevel, Motivation, Konzentration, Gelassenheit oder Gereiztheit.

Faszinierend ist, wie mächtig diese Moleküle sind, obwohl sie in extrem kleinen Mengen wirken. Oft reichen bereits wenige Millionstel oder sogar Billionstel Gramm pro Liter Blut, um deutliche Effekte auszulösen. Genau deshalb spüren wir auch kleine Störungen schnell.

Versteht man ihre Aufgaben und unterstützt man das hormonelle Gleichgewicht, werden Hormone zu Verbündeten für Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden. Sie sind keine Gefahr – sondern eines der elegantesten Kommunikationssysteme, die die Natur entwickelt hat. Die Geschichte der Hormone liest sich ein bisschen wie ein wissenschaftlicher Krimi. Schon lange, bevor man überhaupt wusste, dass Hormone existieren, ahnten Forscher, dass im Körper wichtige Substanzen fehlen, wenn Menschen aus dem Gleichgewicht geraten. Im Mittelalter versuchte man solche vermeintlichen Defizite auszugleichen, indem man Tierorgane aß – eine Methode, die eher auf Hoffnung als auf Wissen beruhte.

Der echte Durchbruch kam erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Physiologen Ernest Starling und William Bayliss entdeckten, dass bestimmte Drüsen Stoffe freisetzen, die an ganz anderen Stellen im Körper gezielt wirken. Diese Substanzen tauften sie „Hormone“, abgeleitet vom griechischen Wort für „antreiben“ oder „anregen“. Damit war die moderne Hormonforschung geboren.

1909, führte der italienische Arzt Nicola Pende den Begriff „Endokrinologie“ ein – die Wissenschaft von Hormonen und dem Stoffwechsel. Parallel dazu machten Forscher entscheidende Entdeckungen im Labor: 1901 gelang es dem japanischen Chemiker Jōkichi Takamine, Adrenalin aus der Nebenniere zu isolieren. Wenige Jahre später konnte der Stoff bereits synthetisch hergestellt werden. Im weiteren Verlauf folgten andere große Schritte, darunter die Isolation von Insulin und Thyroxin. Besonders Insulin veränderte alles: Diabetes galt zuvor praktisch als Todesurteil, und plötzlich gab es eine wirksame Behandlung.

Heute kennen wir rund 50 benannte Hormone. Die tatsächliche Zahl der Botenstoffe im Körper ist aber wahrscheinlich deutlich höher – ein ganzes Kommunikationsnetzwerk, das wir erst allmählich verstehen. Hormone sind also keineswegs geheimnisvolle Fremdkörper, sondern faszinierende Schlüsselspieler in der Biologie, deren Entdeckung die Medizin revolutioniert hat.

Zu den Hormondrüsen des Körpers zählen unter anderem:

die Hirnanhangsdrüse bzw. Hypophyse, die Schilddrüse, die Nebenschilddrüse, die Nebennieren, die Bauchspeicheldrüse, die Eierstöcke, die Hoden, die Zirbeldrüse/Epiphyse, der Hypothalamus

Hormondrüsen werden auch als endokrine Drüsen bezeichnet, da sie ihre Stoffe nach innen in den Körper abgeben (endo = nach innen).

Man kann sich die Hormonwelt gut als dreistufiges Orchester vorstellen, das nach klaren Regeln spielt – und Cholesterin steht überraschend genug am Anfang.

  1. Cholesterin ist oft der Buhmann, vor allem das LDL-Cholesterin. Zwar stimmt es, dass dauerhaft hohe LDL-Werte das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen. Gleichzeitig ist LDL aber ein essenzieller Transportdienst. Es bringt Cholesterin genau zu jenen Zellen, die daraus Hormone bauen: in die Hirnanhangdrüse, die Schilddrüse, die Bauchspeicheldrüse, die Nebennieren, die Eierstöcke oder die Hoden. Ohne diesen Rohstoff wäre die gesamte Hormonproduktion schlicht nicht möglich.
  2. Sobald das Cholesterin in der Zelle landet, übernimmt die eigentliche Biochemie. Die Zielzellen besitzen spezielle Rezeptoren – also Andockstellen – die bestimmen, welches Hormon wo wirken darf. Diese Rezeptoren sind wie Schlösser, und jedes Hormon passt nur in ein ganz bestimmtes Schloss. Im Inneren der Zelle, vor allem in den Mitochondrien, wird Cholesterin in Pregnenolon verwandelt – eine Art Muttermolekül, aus dem viele andere Hormone entstehen: Progesteron, DHEA, Cortisol und weitere.
  3. Für diese Umwandlungen braucht der Körper nicht nur Energie, sondern auch eine Reihe von Helfern: die Cofaktoren. Das sind Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie ermöglichen den Enzymen, ihre Arbeit präzise zu erledigen. Ohne diese Mikronährstoffe würde die Hormonproduktion ins Stocken geraten.
  1. Über all dem stehen die sogenannten Chef-Hormone. Sie werden im Hypothalamus und in der Hirnanhangdrüse gebildet und steuern wie Dirigenten, wann und wie viel eines Hormons produziert wird. Das Ganze nennt sich hormoneller Regelkreis.

Sinkt zum Beispiel die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut, registriert das Gehirn den Mangel. Die Hirnanhangdrüse schickt daraufhin ein Signalhormon los, das die Schilddrüse anweist, mehr Hormone zu bilden. Sobald genug vorhanden ist, fährt das Gehirn die Anweisung wieder zurück.

Das Zusammenspiel all dieser Schritte sorgt dafür, dass der Körper im inneren Gleichgewicht bleibt – ein fein abgestimmter Fluss biochemischer Botschaften, der jeden Tag im Hintergrund für uns arbeitet.

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